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Hertha BSC – Die Skandale fingen schon ganz früh an

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Hertha BSC ist ein Verein der Extreme. Zuschauer-Rekorde, magische Europacup-Nächte und Spitzenspiele im altehrwürdigen Olympiastadion folgen im Wechsel mit sportlichen Peinlichkeiten, Bau-Possen oder finanziellen Nöten. Das ist bekannt. Was wenige wissen: Skandale, Disqualifikationen und finanzielle Unregelmäßigkeiten gehören quasi zur DNA des Vereins und sind keine „neue“ Hertha-Erscheinung, sondern mehr als 100 Jahre alt.

Die Disqualifikation 1918/19 und die Umgehung der Sperre 1930

In der Saison 1918/19 zahlt der Verein einigen Spielern unerlaubt Handgelder und wird nach der Hinrunde disqualifiziert. In der folgenden Saison dürfen die Spieler vom Gesundbrunnen wieder am Ligabetrieb teilnehmen.

In der Meistersaison 1930/31 macht der Ersatzspieler Otto Fritze im lokalen „8 Uhr-Blatt“ publik, dass der Verein (mal wieder) unerlaubte Handgelder und Prämien zahle und dass Eintrittskarten für „Gesellschaftsspiele“ mit namhaften Gegnern mit der gleichen Nummerierung mehrfach gedruckt worden seien, um den Gast bei der Einnahmenbeteiligung zu betrügen.

Der Hauptkassierer tritt wegen dieser Praxis zurück. Der Berliner Verband klagt daraufhin drei angeblich besonders gut bezahlte Spieler – Hanne Sobek, Willi Völker und Willi Kirsei an, es kann aber nichts bewiesen werden. Sobek steht schon kurz nach seinem Wechsel 1925 von Alemannia 90 zur Hertha vor den Schranken des Verbandsgerichts, denn Hertha will die obligatorische Ein-Jahres-Sperre umgehen und lässt den Nationalspieler in einem Freundschaftsspiel unter dem Decknamen Erich Poppe spielen. Das fliegt, wenig überraschend, auf. Während der Spieler mit einer Ermahnung davon kommt, muss Hertha eine Strafe in Höhe der Einnahmen des Spiels zahlen.   

Hertha BSC und die Nazis

Nach dem Zweiten Weltkrieg muss Hertha wegen zu großer Nähe zu den NS-Machthabern vier Jahre aussetzen. Das Bezirksamt Wedding vermerkt: „Der Hertha-Verein ist als nationalsozialistischer Fußball-Club im Jahre 1945 nach Kriegsschluss verboten worden.“ Das Verbot wird erst am 1. August 1949 aufgehoben, die ersten vier Jahre der Stadtliga Berlin verpasst Hertha BSC deshalb.

Hertha BSC und die Handgelder 1965

In den turbulenten Anfangsjahren der Fußball-Bundesliga ist die geteilte Stadt Berlin als ,,Insel“ mitten in der Sowjet-Zone vom Start weg ein Sonderfall. Und Hertha liefert 1965 außerhalb des Stadions einen traurigen Rekord. Der Berliner Klub ist der erste, dem der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Lizenz für die 1963 gegründete Bundesliga verweigert.

Daran ändert auch ein bizarrer TV-Auftritt vom damaligen Hertha-Boss Wolfgang Holst (1922 – 2010) im Februar 1965 nichts. In der TV-Sendung des Sender Freies Berlin (SFB) mit dem bezeichnenden Namen ,,Wahn und Wirklichkeit“ erzählt er freimütig, dass 13 von 15 Konkurrenten“ in der Bundesliga ihren Spielern üppige Handgelder zahlen würden. Motto:

,,Det machen die Anderen doch ooch“.

Wolfgang Holst

Das rettet seinen Klub nicht. Eigentlich hätte Hertha BSC schon 1963 gar keine Lizenz für die Bundesliga bekommen dürfen! Um Stars aus dem Westen der Republik in die geteilte Stadt zu locken, zahlt der Verein mehr Geld als der DFB erlaubt.

Dieser ,,schwere Verstoß gegen das Statut“ in der Lizenzspieler-Ordnung des DFB führt dazu, dass Hertha BSC nach Ende der Saison 1964/65 als erster Klub die Bundesliga-Lizenz verliert. Laut DFB-Berechnungen fehlen den Berlinern Belege für 192.000 Mark, also umgerechnet fast 100.000 Euro – viel Geld für damalige Verhältnisse!

Jetzt wird es peinlich – Tasmania kommt

Damit wird das Thema ,,Bundesliga in Berlin“ aber erst so richtig peinlich. Da der DFB und der in der Frontstadt des Kalten Krieges ansässige Axel Springer Verlag unbedingt einen Berliner Klub in der Elite-Klasse haben wollen, muss ein Berliner Team nachrücken.

Der Berliner Stadtmeister Tennis Borussia Berlin und der Spandauer SV winken dankend ab und so muss Tasmania 1900 Berlin als Dritter der Berliner Stadtliga ins „kalte Wasser“ – und geht als schlechtester Bundesliga-Klub mit 8:60 Punkten (wohl) für alle Zeiten in die Geschichtsbücher ein. Erst 1968 meldet sich Hertha nach dem Lizenzentzug im ,,Oberhaus“ zurück…

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