17.6 C
Berlin

Hertha BSC vs. Union Berlin. Der Mauerfall beendet die Sympathie

Veröffentlicht:

Ehe sich für Hertha BSC ein echter Rivale aus der eigenen Stadt heraus kristallisiert, dauert es bis zum Fall der Berliner Mauer im November 1989.

Der Mauerfall beendete die Sympathie

Anfangs schien man sich mit dem in DDR-Zeiten als System kritisch bekannten 1. FC Union Berlin aus dem Ostteil der Stadt anfreunden zu wollen. Aus anfänglicher Sympathie wurde jedoch schnell offene Feindschaft.

Im Januar 1990 kam es vor über 60.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion zum ersten sportlichen Vergleich in der Geschichte beider Vereine. Hertha gewann das Freundschaftsspiel 2:1. Gefeiert wurde dennoch auf beiden Seiten. „Wir halten zusammen wie der Wind und das Meer, die blau-weiße Hertha und der FC Union“, war das Motto des Abends.

„Das war natürlich toll. Die Trabis haben geknattert, die Luft hat vibriert und es war wirklich emotional. Es gab Leute, die nach 1961 das erste Mal wieder im Olympiastadion waren und Tränen in den Augen hatten“, sagt Manfred Sangel, mehr als 30 Jahre lang Moderator des Radio-Magazins Hertha-Echo, 2019 dem Portal einland.net.

Olaf Forner, leidenschaftlicher Union-Fan, bei einland.net über das anfängliche Verhältnis der „Eisernen“ zu Hertha:

„Abgesehen von den 10 Prozent, die im Stadion linientreu waren, hatten alle anderen Zuschauer auch einen Westverein, den sie verfolgt haben. Köln, Mönchengladbach, Hamburg, Bayern. Hertha gehörte dazu, weil dit is ooch Berlin.“

Olaf Forner

Zudem besuchten viele Union-Fans Hertha-Auswärtsspiele im Europacup im „sozialistischen Ausland“, u. a. im UEFA-Pokal-Viertelfinale 1979 in Prag.

Hertha und die „Hurensohn-Bande“

„Während der Teilung gab es viele Gründe, einander zu mögen. Beide Vereine teilten sich eine und doch nicht die gleiche Stadt, beide bedienten eine Arbeitergruppe, beide Fanlager waren deutlich gegen die Mauer in ihrer Mitte“, heißt es dazu bei einland.net, „eine sportliche Konkurrenz-Situation gab es nie. Die gab es auch nach der Maueröffnung nicht und doch buhlte man plötzlich um alles andere: um Fans, Aufmerksamkeit und nicht zuletzt auch öffentliche Gelder.“

Mit den Hertha-Abstiegen in die 2. Liga und erst recht mit der Bundesliga-Premiere von Union 2019/2020 verschoben sich die Parameter. „Das Derby hat genau jetzt damit begonnen, dass diese Hurensohn-Bande aufgestiegen ist. Und Derby heißt Krieg um jeden Zentimeter in Berlin“, diese nur wenig charmante Whatsapp-Nachricht kursiert im Mai 2019, Union Berlin war gerade in den Relegationsspielen gegen den VfB Stuttgart aufgestiegen, nur wenige Stunden nach dem entscheidenden Duell in der Alten Försterei in den sozialen Netzwerken.

„Jeder muss das Maximum an Hass und Gewalt aufbringen …“

Publiziert auf der Instagram-Seite herthaklebt machte der Verfasser deutlich, was er von Union hielt: „Jeder muss das Maximum an Hass und Gewalt aufbringen und alles dafür tun, dass diese Missgeburten wissen, dass sie Hertha BSC nicht gewachsen sind.” Wenig später wurde die Nachricht zwar gelöscht, aber das Netz vergisst halt nicht.

Dass man auf Union-Seite ein Derby am 9. November 2019, dem 30. Jahrestag des Mauerfalls, ablehnte, zeigte, dass man auf keinen Fall einen Eindruck von falscher Harmonie vermitteln wollte. „Uns ist der Gedenktag zum Mauerfall zu wichtig, wir wollen an diesem historischen Tag nicht Fußball spielen“, kommentierte Union Berlin die Absage. Gespielt wurde dann am 2. November 2019 – und die „Eisernen“ gewannen in hitziger Atmosphäre mit 1:0.

Aber: Innerhalb der Fan-Szene beider Berliner Erstligisten gibt es auch freundschaftliche Kontakte. „Eine Fan-Rivalität“, erläutert Johannes Mäling, „ist immer eine subjektive Geschichte, sie wird nie pauschal und nie von allen Zuschauern der jeweiligen Kontrahenten getragen. In Berlin wird die Rivalität nicht so extrem ausgelebt wie in anderen Städten, wo es 2 Bundesliga-Klubs gab, wie München oder Hamburg.“

Das könnte sich in dem Moment ändern, in dem der FC Union Berlin dauerhaft zur Nummer 1 in Berlin wird. Und regelmäßig international spielt, während Hertha sich nach Regensburg und Paderborn quält in der 2. Bundesliga. Hertha vs. Union – wenn sich Rollen umdrehen.

Verwandte Beiträge

spot_img