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Jürgen Klinsmann – Die Papiere des erfolglosen schwäbischen Weltmeisters

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Am 8. November 2019 wird Jürgen Klinsmann durch Investor Lars Windhorst in den Aufsichtsrat der Profi-KGaA von Hertha BSC berufen. Am 27. November 2019 wird er als Cheftrainer der Bundesligamannschaft vorgestellt. Diese befindet sich am 12. Spieltag der Saison mit 11 Punkten auf dem 15. Platz der Bundesliga-Tabelle.

Klinsmann löst Ante Covic ab

Klinsmann löst den Trainer-Novizen Ante Čović ab und lässt sein Aufsichtsratsmandat bei den Berlinern ruhen. Am 11. Februar 2020 kündigt Klinsmann auf Facebook seinen sofortigen Rücktritt als Cheftrainer an, da er das Vertrauen der handelnden Personen von Hertha BSC vermissen würde.

Er wolle aber wieder in den Aufsichtsrat zurückkehren. Zu diesem Zeitpunkt steht Hertha nach Rekordinvestitionen von 77 Millionen Euro im Januar 2020 mit 23 Punkten auf dem 14. Platz der Bundesliga-Tabelle. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt sechs Punkte. Interimistischer Nachfolger als Cheftrainer wird Klinsmanns bisheriger Assistent Alexander Nouri.

Klinsmann, die Strukturen, die Medien und das Geld

In einem Interview mit der Bild-Zeitung erklärt Klinsmann am selben Tag, dass er mit den Klub-Verantwortlichen über eine „mittelfristige Zusammenarbeit und über Kompetenzen“ diskutiert habe. Er habe die Erwartung geäussert, dass er als Cheftrainer des Vereins fortan die gesamte sportliche und sportlich-wirtschaftliche Verantwortung tragen würde, genau wie es in England üblich sei. Diese Konstellation sei aber in Deutschland nicht möglich. Hier würden Sportvorstände und Sportdirektoren in sportliche und wirtschaftliche Entscheidungen hineinreden. In solch einer Struktur würde er sich nicht wiederfinden.

Zusätzlich zu weitreichenden Kompetenzen fordert Klinsmann aber wohl auch, sein Gehalt signifikant zu erhöhen. Ein Hertha-Funktionär Kreisen bezeichnet die Gehaltsvorstellungen des Schwaben etwas später im Tagesspiegel als „völlig irre“.

Nachdem der Rücktritt von Klinsmann zunächst in den Medien bekannt wird, nennt Investor Lars Windhorst die Art und Weise, wie Klinsmann seinen Abgang inszeniert und kommuniziert habe „unakzeptabel“ und erklärt, ihn nicht erneut in den Aufsichtsrat berufen zu wollen. Jürgen Klinsmann wird zur Unperson bei Hertha BSC.

Jürgen Klinsmann wollte es bei Hertha so haben, wie er es in England erlebt hat. Alle Macht beim Trainer/Manager. Foto: Imago Images

Die Klinsmann-Papers

Ende Februar 2020 werden von der Springer-Zeitschrift Sport Bild schriftliche Aufzeichnungen veröffentlicht, die Klinsmann-Papers. Diese soll der EX-Bayern Trainer angeblich in seiner Zeit als Cheftrainer und Funktionär bei Hertha BSC verfasst haben. In den „Papers“ fällt Klinsmann ein vernichtendes Urteil über Vereinsführung, Funktionsbereiche und Spieler von Hertha BSC, wobei primär die verantwortlichen Personen in der Hertha-Geschäftsführung kritisiert werden. Die Vereinsführung dementiert umgehend die Darstellung in den „Papers“.

Im Januar 2021 werden nach einer enttäuschenden ersten Saisonhälfte der Saison 2020/21 der damalige Trainer Bruno Labbadia und der sportlich verantwortliche Manager Michael Preetz entlassen. In diesem Zusammenhang werden die Einschätzungen von Klinsmann in seinen Aufzeichnungen durch Investor Lars Windhorst neu bewertet. Dieser teilt nun wesentliche Aussagen und Einschätzungen im Bereich des Managements, der Kaderzusammenstellung und auch der Unternehmenskultur. Windhorst bekennt: „Rückblickend stellen inzwischen ja viele fest, dass viele Impulse und Analysen von Jürgen Klinsmann so falsch nicht waren.

Vom Resultat her hätten wir gerne gewonnen.

Jürgen Klinsmann

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